Meister des Lichts

23. September 2017 bis einschließlich 21. Januar 2018

Emanuel de Witte (1617-1692)

Diesen Herbst stellt Alkmaar einen der begabtesten Maler des goldenen Jahrhunderts ins Rampenlicht: Emanuel de Witte. 2017 ist es 400 Jahre her, dass De Witte in Alkmaar geboren wurde. Es ist die erste monografische Ausstellung zu Ehren von Emanuel de Witte. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass er als größter Maler von Kircheneinrichtungen aus der zweiten Hälfte des goldenen Jahrhunderts gesehen wird. Mit besonderen Leihgaben aus in- und ausländischen Kollektionen zeigt das Stedelijk Museum Alkmaar die Vielfältigkeit von De Wittes Werken und seine Meisterhaftigkeit in Sachen Perspektive und Licht. Die Ausstellung bietet außerdem einen Einblick in das tragische Leben dieser markanten Persönlichkeit.

Detail Malerei Emanuel de Witte, „Interieur mit Frau jungfräulich spielen‘, das Montreal Museum of Fine Arts / Kauf John W. Tempest Fund
Detail Malerei Emanuel de Witte, „Interieur mit Frau jungfräulich spielen‘, das Montreal Museum of Fine Arts / Kauf John W. Tempest Fund

Architekturspezialist
Emanuel de Witte wuchs in Alkmaar auf und war ein Stadt- und Altersgenosse von Künstler Caesar van Everdingen. Sein Vater Pieter de Witte war Direktor einer französischen Schule. Der junge Emanuel machte seine Ausbildung bei Stilllebenmaler Evert van Aelst (1602-1657) in Delft. Danach kehrte er zurück an seinen Geburtsort, wo er sich 1636 bei Sint-Lucasgilde einschrieb – einem Fachbund für Maler. Über seine Werke aus dieser Zeit ist jedoch leider nichts bekannt. Nach einem kurzen Aufenthalt in Rotterdam und zehn Jahren in Delft zog Emanuel de Witte erneut um. Diesmal nach Amsterdam. Dort war er zu dem Zeitpunkt der einzige Architekturspezialist.

Sehenswerter Kundenstamm
De Witte machte sich schon bald einen Namen. Bezeichnend für seinen guten Ruf ist, dass er bereits 1654 vom Dichter Jan Vos zu den wichtigsten Künstlern seiner Zeit gezählt wurde – in einem Atemzug mit Rembrandt und Govert Flinck. Inventarisierungen und andere alte Quellen geben einen Eindruck von seinem Kundenstamm: ein Architekt, ein Kirchendiener, die Kirchenmeister der Oude Kerk in Amsterdam. Er malte auch auf Bestellung. Einer seiner Auftraggeber war niemand Geringeres als der König von Dänemark, Frederik III. Es war vor allem die phänomenale Lichtbehandlung die Eindruck schuf: wie kein anderer konnte er mit dem Sonnenlicht, das durch die Kirchenfenster fiel und auf den Säulen und Wänden reflektierte, spielen. Er malte nicht nur protestantische und katholische Gebetshäuser, sondern führte auch die imposante Einrichtung der portugiesischen Synagoge in Amsterdam in die Malkunst.

Emanuel de Witte, Innenhof der Messe in Amsterdam, 1653, Ölfarbe auf Tafel, Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam (Leihgabe Stiftung Willem van der Vorm / Foto: Studio Tromp, Rotterdam)
Emanuel de Witte, Innenhof der Messe in Amsterdam, 1653, Ölfarbe auf Tafel, Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam (Leihgabe Stiftung Willem van der Vorm / Foto: Studio Tromp, Rotterdam)

Lebendig und anekdotisch
Mehr als bei vielen anderen Künstlern aus demselben Genre, werden die Kompositionen von De Witte von Menschen bevölkert. Sie machen seine Werke lebendig, manchmal geben sie ihnen sogar einen anekdotischen Charakter. Kinder werden mit der Brust gefüttert, es werden Gräben gegraben und Hunde laufen umher. Wer das Werk von Emanuel de Witte heutzutage betrachtet, wird von der Vierseitigkeit seines Oeuvres getroffen. Neben den Kircheneinrichtungen aus Delft und Amsterdam, denen er seinen Ruf dankt, fertigte er Marktsituationen, Wimmelbilder, Portraits und historische Stücke. Beinahe ausnahmslos sehr lebendig und qualitativ hochwertig. Dank besonderer Leihgaben aus dem In- und Ausland können wir die Vielfältigkeit und Qualität von De Wittes Werken im Stedelijk Museum Alkmaar in seiner vollen Breite zeigen.

Farbenfroher Lebensweise
Ein Portrait von De Witte wurde leider nicht überliefert. Verschiedene Quellen beschreiben den Maler – der eine farbenfrohe Lebensweise und bestimmt keinen einfachen Charakter gehabt haben soll – mit so viel Begeisterung, dass wir kein eindeutiges Bild von ihm bekommen können. Dank „seiner widerborstigen Art“ (so Biograf Arnold Houbraken 1718), wurde er oft in Streite, Konflikte und Rechtsfälle verstrickt. Geplagt von persönlichen Problemen mit Vermietern und ausstehenden Bezahlungen begeht er 1692 letztendlich Selbstmord. Damit wurde ein farbenfrohes Leben auf tragische Weise beendet.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation von Gerdien Wuestman. Konzept und Zusammenstellung der Ausstellung sind von Ruud Priem, Hauptkonservator Hospitaalmuseum (Memlinguseum), Musea Brugge.

Die Ausstellung wurde unter anderem vom Mondriaan Fonds, dem Prins Bernhard Cultuurfonds, Fonds 21 und VSBfonds ermöglicht. Wir bedanken uns besonders bei allen Leihgaben-gebern, Beratern und übrigen Beteiligten.

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